Tiere kommen gerne hier rein

GOT (sprich: Ge Oh Te) - was ist das eigentlich?

GOT steht als Abkürzung für Gebührenordnung für Tierärzte und ist eine Rechtsverordnung, die vorschreibt, wie tierärztliche Leistungen abzurechnen sind.
Sie wird von der Bundesregierung erlassen und ist für alle praktizierenden Tierärzte bindend.

Die aktuelle GOT wurde am 28. Juli 1999 erlassen und zuletzt am 10. Februar 2020 geändert.

Neben den 11 Paragraphen, welche die Anwendung der GOT im Detail regeln, enthält die GOT auch noch ein Gebührenverzeichnis, in dem rund 800 tierärztliche Einzelleistungen und Behandlungsschritte aufgelistet sind. Für jede dieser Positionen ist ein Gebührenrahmen benannt, der vom 1-fachen bis hin zum 3-fachen Satz bzw. max. 4-fachen Satz im Notdienst reicht.
Innerhalb dieses Rahmens kann der Tierarzt nach den besonderen Umständen des einzelnen Falles den Multiplikationsfaktor bestimmen.
Dies ist notwendig, um den individuellen Behandlungssituationen (Schwierigkeitsgrad, Zeitaufwand, Nacht- oder Notdienst etc.) gerecht zu werden und auch die fortschreitende Inflation halbwegs auszugleichen.

Über- oder Unterschreitungen dieses Gebührenrahmens sind nur in begründeten Einzelfällen und nur nach vorheriger schriftlicher Vereinbarung zulässig.

Die Gebührensätze für die einzelnen medizinischen Schritte werden nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt, was für den Laien nicht immer ohne Erläuterungen nachvollziehbar ist.
Fehlinterpretationen und Missverständnisse sind aus diesem Grunde nicht gerade selten, insbesondere wenn in diversen Medienberichten aus der GOT nur unvollständig zitiert wird.
Die angegebenen Preise der GOT enthalten keine zur Anwendung gekommenen Medikamente und Verbrauchsmaterialien.
Das sind zumeist nur kleinere Posten, die aber den Endpreis trotzdem für jedes Individuum variabel gestalten.
Zu guter Letzt kommt dann noch die gesetzliche Mehrwertsteuer von derzeit 19 % hinzu, die von mir wieder an den Staat abzugeben ist.
Im Gegensatz zur humanmedizinischen Betreuung verdient unser Staat an der tierärztlichen Betreuung Ihres Tieres mit!

Scheuen Sie sich also nicht zu fragen, sofern Sie einen Abrechnungsschritt nicht ganz nachvollziehen können!

Bitte beachten Sie auch folgendes...
Zu den Grundleistungen einer tierärztlichen Praxis gehört immer eine allgemeine Untersuchung des Patienten und die Befragung seines Besitzers zu Auffälligkeiten oder Verhaltensweisen.
Alle weiteren Maßnahmen hängen dann von den Ergebnissen dieser Erstuntersuchung ab.
Danach entscheidet sich, ob z.B. eine eingehende Untersuchung eines Organsystems ansteht,
eine Laboruntersuchung eingeleitet wird oder etwas anderes.
Gibt es zum Beispiel Anzeichen auf eine Lahmheit, muß der Bewegungsapparat eingehend untersucht werden (Hangbein- oder Stützbeinlahmheit, Schmerzempfindlichkeit lokalisieren etc.).
Ist beispielsweise ein Fremdkörper in der Pfote die Ursache, wird dieser soweit möglich entfernt und/oder falls nötig, ein Pfotenverband angelegt.
Wie man schon an diesem einfachen Beispiel erkennt, kann es in dem Gebührenverzeichnis keine pauschalen Preisangaben geben.
Selbst für Standardeingriffe wie z.B. eine Kastrationen ist dies eigentlich nicht möglich, wenn wirklich korrekt abgerechnet werden soll.
Bei solchen Eingriffen kann nämlich auch der Verbrauch von Medikamenten und Verbrauchsmaterial variieren, oder aber es ergibt sich während der OP noch ein zusätzlicher Befund, der dann optimalerweise unter Narkose gleich mit versorgt wird
- wie z.B. die Entfernung eines Tumors oder die sehr gründliche Ohrreinigung, die sonst wegen starker Abwehrbewegung des Tieres nicht möglich wäre.

Ist das Honorar abhängig vom Erfolg?

Tierärztliche Leistungen werden im Allgemeinen auf der Basis eines Dienstvertrages erbracht und individuell nach Aufwand abgerechnet.
Die Vergütung der erbrachten Leistung steht auch dann gesetzlich zu, wenn das Tier nicht den erwarteten Behandlungserfolg zeigt oder z.B. in einer Narkose verstirbt.
Als Ausnahme ist lediglich die Ausführung einer Kastration zu nennen, bei welcher der Tierarzt einen Werksvertrag eingeht und somit den Erfolg, nämlich die Unfruchtbarmachung des Tieres schuldet.
Der Vorgang des 'Kastrierens' eines Tieres umfasst neben dem Punkt der Kastration jedoch noch weitere Leistungen, wie z.B.
- allgemeine Untersuchung auf Narkosefähigkeit
- Legen eines venösen Zuganges
- Injektionsnarkose
- Injektionen (zur Sedation, Aufhebung der Narkosewirkung, Schmerzmedikation nach der OP)
- Infusion
- Kontrolle des Heilungsverlaufes
welche wiederum auf der Basis eines Dienstvertrages erbracht werden und somit erfolgsunabhängig zu vergüten sind.

Obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte, möchte ich an dieser Stelle trotzdem darauf hinweisen, dass auch die Beratungen per e-mail, Telefon oder WhatsApp eine tierärztliche Leistung ist und entsprechend in Rechnung gestellt wird.